Diese drei Begriffe bezeichnen die wohl bekanntesten und gefürchtetsten Infektionskrankheiten bei Katzen. Obwohl sie alle das Immunsystem schwächen, unterscheiden sie sich stark in ihrer Übertragung, dem Verlauf und den Behandlungsmöglichkeiten.
Hier ist eine Übersicht, um Licht ins Dunkel zu bringen:
1. Leukose (FeLV – Felines Leukämievirus)
Die Leukose wird oft als die „soziale“ Krankheit bezeichnet, da sie durch engen, freundschaftlichen Kontakt übertragen wird.
- Übertragung: Speichel (gegenseitiges Putzen, gemeinsames Fressen), Nasensekret, Urin oder Kot. Auch von der Mutter auf die Welpen.
- Symptome: Sehr vielfältig, da das Virus das Immunsystem unterdrückt. Häufig sind Anämie (Blutarmut), Tumore (Lymphome), Zahnfleischentzündungen und eine allgemeine Infektanfälligkeit.
- Prognose: Nicht heilbar, aber viele Katzen leben bei guter Pflege noch Jahre. Statistisch sterben ca. 80% der infizierten Tiere innerhalb von 3–5 Jahren nach Ausbruch.
- Schutz: Es gibt eine wirksame Impfung. Vor der Erstimpfung sollte immer ein Test erfolgen.
2. FIV (Felines Immundefizienzvirus – „Katzenaids“)
FIV ist das Pendant zum menschlichen HIV (aber nicht auf Menschen übertragbar!). Es führt zu einer schleichenden Zerstörung der Immunabwehr.
- Übertragung: Fast ausschließlich über tiefe Bisswunden (daher besonders häufig bei unkastrierten Katern, die Revierkämpfe führen). Gelegentlich beim Deckakt.
- Symptome: Lange symptomfreie Phase („Stille Phase“). Später chronische Entzündungen im Maul, Fieberschübe, Gewichtsverlust und schlechte Wundheilung.
- Prognose: Relativ gut. FIV-Katzen können bei reiner Wohnungshaltung und stressfreiem Leben oft ein fast normales Alter erreichen.
- Schutz: In Europa ist derzeit kein wirksamer Impfstoff zugelassen. Kastration ist der beste Schutz (weniger Kämpfe).
3. FIP (Feline Infektiöse Peritonitis)
FIP ist keine „klassische“ Ansteckung von Katze zu Katze, sondern eine tragische Mutation im Körper des Tieres.
- Entstehung: Die meisten Katzen tragen harmlose Feline Coronaviren (FCoV) in sich (Darmviren). Bei etwa 5–10% dieser Katzen mutiert das Virus im Körper zu FIP.
- Formen:
- Feuchte FIP: Flüssigkeitsansammlungen im Bauch (dicker Bauch) oder Brustraum (Atemnot).
- Trockene FIP: Entzündliche Knoten an inneren Organen, Augen oder dem Nervensystem.
- Prognose: Galt lange als 100% tödlich. Wichtig: Seit einigen Jahren gibt es mit dem Wirkstoff GS-441524 (oft über „FIP-Helfer“-Netzwerke bezogen) sehr hohe Heilungschancen (über 90%), auch wenn die offizielle Zulassung in Deutschland teils noch schwierig ist.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | Leukose (FeLV) | Katzenaids (FIV) | FIP (Mutation) |
| Impfung möglich? | Ja, sehr empfohlen | Nein (in EU nicht üblich) | Bedingt (meist nicht empfohlen) |
| Übertragung | Freundlicher Kontakt | Aggressiver Kontakt (Biss) | Mutation eigener Coronaviren |
| Heilbar? | Nein (nur symptomatisch) | Nein (nur symptomatisch) | Ja (mit speziellen Virostatika) |
| Haltung | Getrennt von negativen | Wohnungshaltung reicht | Kein Ansteckungsrisiko (FIP selbst) |
Hinweis: Ein positiver Test auf FeLV oder FIV ist heute kein Grund mehr für ein „Todesurteil“. Viele dieser Katzen führen ein langes, glückliches Leben, solange sie vor zusätzlichem Stress und Krankheitserregern geschützt werden.
Wie testet man die Katzen und was kostet es?
Das Testen auf diese Krankheiten gehört zum Standard beim Tierarzt, besonders wenn eine neue Katze einzieht oder Symptome auftreten. Die Kosten setzen sich immer aus der tierärztlichen Leistung (Blutabnahme/Beratung) und den Laborkosten zusammen.
Hier ist die Übersicht zu den Verfahren und den aktuellen Preisen (basierend auf der Gebührenordnung für Tierärzte, GOT):
1. Wie wird getestet?
Schnelltests (Snap-Tests)
- Verfahren: Ein paar Tropfen Blut werden in eine Testkassette gegeben. Das Ergebnis liegt nach ca. 10–15 Minuten vor.
- Einsatz: Meist als Kombi-Test für FeLV (Antigen) und FIV (Antikörper).
- Sicherheit: Gut für einen ersten Überblick. Ein positives Ergebnis sollte jedoch immer durch einen Labortest bestätigt werden, da Schnelltests manchmal „falsch positiv“ reagieren.
Labortests (ELISA / PCR)
- Verfahren: Das Blut wird in ein Fachlabor geschickt.
- ELISA: Sucht nach Virus-Eiweißen oder Antikörpern.
- PCR: Sucht direkt nach dem Erbgut des Virus. Dies ist die sicherste Methode, um eine aktive Infektion (vor allem bei FeLV) nachzuweisen.
- FIP-Diagnostik: Es gibt keinen „einen“ FIP-Test. Hier kombiniert der Tierarzt ein Blutprofil (Albumin-Globulin-Quotient), einen Corona-Antikörper-Titel und ggf. eine Punktat-Untersuchung (wenn Flüssigkeit im Bauch ist).
2. Was kostet es? (Schätzwerte 2026)
Die Preise variieren je nach Tierarzt (1-facher bis 3-facher Satz der GOT) und Laborgestaltung. Alle Preise verstehen sich zzgl. Mehrwertsteuer.
| Leistung | Kosten (ca. 1-facher Satz) | Gesamtkosten (inkl. Beratung/Material) |
| Allg. Untersuchung & Beratung | ca. 24 € | — |
| Blutentnahme (venös) | ca. 10 – 15 € | — |
| FeLV/FIV Kombi-Schnelltest | ca. 35 – 50 € | ca. 80 – 110 € |
| Labortest (PCR) pro Virus | ca. 40 – 60 € | ca. 90 – 130 € |
| FIP-Profil (Labor) | ca. 60 – 100 € | ca. 110 – 160 € |
Wichtige Spartipps & Hinweise
- Kombi-Tests nutzen: Wenn du eine Katze aus dem Tierschutz übernimmst, ist ein kombinierter FeLV/FIV-Test günstiger als beide einzeln.
- Kastrations-Termin: Wenn die Katze ohnehin für eine Kastration in Narkose liegt, kann das Blut stressfrei abgenommen werden – das spart oft die Gebühr für die allgemeine Untersuchung.
- FIP-Sonderfall: Ein positiver Corona-Titel bedeutet nicht, dass die Katze FIP hat. Er sagt nur aus, dass sie Kontakt mit dem harmlosen Darmvirus hatte. Erst bei Symptomen und weiteren schlechten Blutwerten erhärtet sich der Verdacht.
Pro-Tipp: Falls du überlegst, eine Katze gegen FeLV impfen zu lassen, ist ein vorheriger negativer Test zwingend erforderlich, da die Impfung bei einer bereits infizierten Katze schaden kann.
Da die Befunde bei FeLV, FIV und FIP völlig unterschiedlich gelesen werden, habe ich hier die wichtigsten “Vokabeln” zusammengefasst:
1. FeLV (Leukose) – Das Virus selbst finden
Bei der Leukose suchen wir direkt nach dem Antigen (dem Virus-Eiweiß).
- Ergebnis: “Positiv”
- Was es bedeutet: Das Virus ist im Blut nachweisbar.
- Wichtig: Manche Katzen schaffen es, das Virus nach einer frischen Infektion selbst zu bekämpfen (“Regressor-Katzen”). Ein positiver Test sollte daher nach 6–10 Wochen wiederholt werden. Erst wenn er dann immer noch positiv ist, gilt die Katze als dauerhaft infiziert.
- Ergebnis: “Negativ”
- Was es bedeutet: Keine Infektion gefunden. Die Katze kann geimpft werden.
2. FIV (Katzenaids) – Die Antwort des Körpers
Hier suchen wir nicht nach dem Virus, sondern nach den Antikörpern, die das Immunsystem gebildet hat.
- Ergebnis: “Positiv”
- Was es bedeutet: Die Katze hatte Kontakt mit FIV und trägt es lebenslang in sich.
- Achtung bei Kitten: Welpen von FIV-positiven Müttern haben oft “Leih-Antikörper” im Blut, sind aber selbst gar nicht infiziert. Man sollte sie erst mit 6 Monaten erneut testen, wenn das eigene Immunsystem arbeitet.
- Ergebnis: “Negativ”
- Was es bedeutet: Keine Infektion (es sei denn, die Ansteckung liegt erst wenige Tage zurück).
3. Der “FIP-Test” – Die Detektivarbeit
Es gibt keinen Test, auf dem steht “FIP: Ja/Nein”. Man schaut sich ein Puzzle aus Werten an:
A) Der Corona-Titer (Antikörper)
- 1:25 bis 1:100: Niedrig. Die Katze hatte mal Kontakt mit Coronaviren, das Risiko für FIP ist aktuell sehr gering.
- 1:400 bis 1:800: Mittel.
- 1:1600 oder höher: Sehr hoch. In Kombination mit Symptomen (Fieber, dicker Bauch) deutet das stark auf FIP hin.
- Wichtig: Ein hoher Titer allein heißt nicht, dass die Katze krank ist! Viele gesunde Katzen haben hohe Titer.
B) Das Blutbild (Der Albumin-Globulin-Quotient)
Das ist oft der wichtigste Wert im Laborbericht. Er zeigt das Verhältnis von Eiweißen im Blut.
- Wert > 0,8: FIP ist sehr unwahrscheinlich.
- Wert < 0,6: Ein Warnsignal.
- Wert < 0,4: Zusammen mit einem hohen Corona-Titer gilt FIP als fast sicher.
Was steht auf deinem Befund?
Wenn du den Zettel vor dir hast, achte auf Begriffe wie:
- Referenzbereich: Das ist der “Normalzustand”. Liegt dein Wert außerhalb?
- Titer: Steht da eine Zahl wie 1:400?
- PCR: Steht dort “negativ” oder “positiv” (Nachweis der Virus-DNA)?
Ein kleiner Rat am Rande: Falls ein Test positiv ausgefallen ist, verfalle nicht in Panik. Besonders bei FIP gibt es heute (wie erwähnt) Medikamente, die früher undenkbar waren.
Impfen
Wenn es um das Thema Impfen geht, ist es wichtig, zwischen den drei Krankheiten zu unterscheiden. Nicht gegen alles kann (oder sollte) man impfen. In der Tiermedizin unterscheidet man zwischen Core-Komponenten (muss jede Katze haben, z. B. Katzenschnupfen/Katzenseuche) und Non-Core-Komponenten (individuelle Entscheidung).
Hier ist der Fahrplan für die Impfungen gegen FeLV, FIV und FIP:
1. FeLV-Impfung (Leukose) – Sehr wichtig für Freigänger
Die FeLV-Impfung ist die einzige der drei, die wirklich standardmäßig und effektiv eingesetzt wird.
- Wer sollte geimpft werden? Alle Katzen mit Freigang oder Katzen in Haushalten, in denen ständig neue (ungeprüfte) Katzen dazukommen.
- Voraussetzung: Ein negativer Test (Schnelltest oder Labor) unmittelbar vor der ersten Impfung. Eine bereits infizierte Katze zu impfen, bringt nichts und kann das Immunsystem unnötig belasten.
- Impfschema: * Erste Impfung (meist ab der 8. Woche).
- Zweite Impfung (3–4 Wochen später).
- Auffrischung nach einem Jahr. Danach meist alle 2–3 Jahre (je nach Wirkstoff).
- Schutz: Sehr zuverlässig.
2. FIV-Impfung – In Europa nicht üblich
- Status: Es gibt in den USA einen Impfstoff, dieser ist aber in der EU nicht zugelassen.
- Das Problem: Geimpfte Katzen bilden Antikörper. Da der FIV-Test aber genau nach diesen Antikörpern sucht, kann man nach einer Impfung nicht mehr unterscheiden: Ist die Katze gesund und geimpft oder ist sie infiziert?
- Empfehlung: Der beste Schutz gegen FIV ist die Kastration, da sie Revierkämpfe und damit tiefe Bisswunden (den Hauptübertragungsweg) massiv reduziert.
3. FIP-Impfung (Corona) – Umstritten
Es gibt eine Impfung, die als Nasentropfen verabreicht wird. Die meisten Tierärzte raten jedoch davon ab.
- Das Problem: Die Impfung hilft nur, wenn die Katze noch nie Kontakt mit Coronaviren hatte. Da aber ca. 80–90 % aller Katzen bereits als Kitten im Wurf Kontakt mit diesen (harmlosen) Darmviren haben, ist die Impfung bei den meisten Tieren wirkungslos.
- Wirksamkeit: Wissenschaftlich gilt der Schutz als eher gering bis zweifelhaft.
- Empfehlung: In der Regel nicht empfohlen, es sei denn, man hat eine nachweislich “Corona-negative” Zucht/Haltung.
Zusammenfassung: Was solltest du tun?
- Reine Wohnungskatzen: Müssen normalerweise gegen keine dieser drei Krankheiten geimpft werden (nur Schnupfen/Seuche).
- Freigänger: Sollten unbedingt gegen FeLV (Leukose) geimpft werden (nach vorherigem Test). Gegen FIV und FIP gibt es keinen sinnvollen Impfschutz für draußen.
- Zusammenführung: Bevor eine neue Katze zu deinen vorhandenen Katzen zieht, sollten beide auf FeLV und FIV getestet sein.
Ein wichtiger Hinweis zum Thema “Impfsarkom”: Früher sagte man, dass besonders die FeLV-Impfung Tumore an der Einstichstelle auslösen kann. Moderne Impfstoffe sind deutlich besser verträglich. Trotzdem spritzen erfahrene Tierärzte heute oft in die Hinterbeine statt zwischen die Schulterblätter, um im schlimmsten Fall besser reagieren zu können.

